Private Krankenversicherung - Fakten und Tipps

Eine private Krankenversicherung kann prinzipiell jeder abschließen, egal ob Arbeiter, Angestellter oder Beamter. Freiberuflern oder Selbständigen steht die Mitgliedschaft in einer privaten Krankenversicherung ohnehin frei und Beamte müssen sich sowieso selbst um ihre Krankenversicherung bemühen. Hingegen ist die Möglichkeit, einer privaten Krankenversicherung beizutreten, bei Arbeitern und Angestellten von der Höhe ihres Bruttolohnes abhängig. Die Grenze liegt im Jahr 2010 bei 49.950 EUR oder 4.162.,50 EUR pro Monat. Erst ab dieser Einkommenshöhe ist es möglich, einer privaten Krankenversicherung beizutreten, da der Gesetzgeber natürlich den überwiegenden Teil der Berufstätigen in der gesetzlichen Krankenkasse versichert sehen möchte zum Nutzen der Solidaritätsgemeinschaft. Hiervon profitieren besonders die Geringverdiener.

Der Wechsel zu einer privaten Krankenversicherung - PKV kann im Vergleich ggf. für den Versicherten Einsparungen bis über 2.000,-- €/Jahr bedeuten, so dass Angestellte, Selbständige und Beamte diesen in Erwägung ziehen sollten. Hier bedarf es genauer Prüfung, denn ein Wechsel muss für den Versicherten Vorteile bringen. Da "Private" privatwirtschaftlich strukturiert sind, sind sie weniger gesetzlichen Regelungen unterworfen als Pflichtkrankenkassen. Somit ist auch der Wettbewerb zwischen den Privatkassen recht groß - zum Vorteil der Versicherten. Deshalb kann u.U. sogar ein Wechsel von einer zu anderen privaten Krankenkasse Vorteile bringen. Der unbestritten größte Vorteil einer privaten Krankenversicherung ist sicherlich deren Individualität. Im Gegensatz zum Standard-Versicherungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen kann man hier den Leistungsumfang seinen persönlichen Vorstellungen anpassen. Man kann also bestimmte Leistungen versichern, andere hingegen ausklammern und damit auch nicht bezahlen. Voraussetzung ist jedoch eine eingehende Prüfung, welche Leistungen unbedingt inhaltlich erfasst sein müssen. Es besteht nun allerdings die Gefahr, aus Kostengründen zu wenige Leistungen zu erfassen. Andererseits kann man persönliche Vorstellungen wie z.B. Einzelzimmer bei einem Krankenhausaufenthalt oder ähnliches absichern. Darüber hinaus ist inzwischen allgemein bekannt, dass Ärzte für die Medikamentenverordnung nur ein gewisses Budget von den Krankenkassen zugestanden bekommen. Wird dieses überschritten, müssen die Ärzte mit Restriktionen rechnen. Deshalb wird sehr darauf geachtet, wie viel verschrieben wird. Daraus resultiert, dass manche Behandlung "überflüssig" wird (obwohl sie angebracht wäre). Es werden billigere Medikamente verordnet, die zwar nicht zwangsläufig schlechter sind und auch den gleichen Wirkstoff beinhalten, manches Mal aber schlechter vertragen werden. Diese Probleme haben Privatpatienten nicht, da der Arzt nicht an Vorgaben gebunden ist. Häufig bieten Private Krankenversicherungen ein Bonus-System an, so dass man am Jahresende für nicht in Anspruch genommene Leistungen Teilbeträge seiner Einzahlungen zurück erhält. Durch Abschluss einer Versicherung mit Zahlung eines Eigenanteils kann man die Beitragsraten senken - allerdings mit dem Nachteil, dass im Krankheitsfall zugezahlt werden muss und die private Krankenversicherung das Risiko nicht voll abdeckt.

Die Mitgliedschaft in einer privaten Krankenkasse hat also einige Vorteile, aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile. Dazu gehört besonders, dass ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse fast unmöglich ist. Dies wäre z.B. dann möglich, wenn Arbeitslosigkeit eintritt oder das Einkommen unterhalb der Bemessungsgrenze liegt. Ein weiterer Nachteil des privat Krankenversicherten ist ein hoher Beitrag bei höherem Eintrittsalter. Dies lässt sich deshalb nicht umgehen, da die Wahrscheinlichkeit, dass ältere Personen mehr Kosten für Behandlungen und Medikamente verursachen, erheblich steigt. Deshalb liegen die Beiträge zumeist höher als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Ein weiterer gravierender Nachteil ist, dass für jedes Familienmitglied ein eigener Versicherungsvertrag abgeschlossen werden muss - dies lässt die Kosten für die Krankenversicherung stark steigen. Hingegen sind bei der gesetzlichen Krankenversicherung einkommenslose Familienmitglieder (z.B. minderjährige Kinder) kostenlos mitversichert.

Ein weiterer Nachteil sich privat abzusichern ist, dass man die Beträge der Arztrechnungen bis zur Erstattung durch die PKV vorstrecken muss. Da der Versicherte Vertragspartner des Arztes ist, muss er auch dessen Leistungen zahlen. Es können u.U. recht hohe Beträge sein, die man bis zur Erstattung durch die "Private" vorlegt. Hat man eine Versicherung mit Bonus-System und Zahlung eines Selbstbehalts, sammelt man in jedem Versicherungsjahr Rechnungen für Medikamente, Behandlungen, etc.. Ist der Gesamtbetrag daraus geringer als der Selbstbehalt, muss man ihn ohne alleine tragen. Ist er allerdings höher, sollte man nachrechnen: Wenn der Erstattungsbetrag geringer als der Betrag, den man erhält, wenn man das Bonussystem anwendet (d.h. keine Rechnungen einreicht), kann es kostengünstiger sein, die Rechnungen selbst zu tragen und dafür den Bonus-Betrag zu erhalten. Sinnvoll ist es, bereits über's Jahr Zwischenrechnungen zu machen - ansonsten muss man ggf. über einen längeren Zeitraum Arzt- und Medikamentenkosten vorstrecken und würde doch über das Bonussystem weniger bekommen als bei Einreichung der Unterlagen.


Weitere Artikel in der Rubrik Krankenversicherung

Fachmänner für Mehrdrahtfedern.

Artikel-Statistik

Eingestellt: 31.03. 2010
Zugriffe: 1108
Anzahl Wörter: 799