Sinkende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung unwahrscheinlich
Quo vadis gesetzliche Krankenversicherung?
Die gesetzliche Krankenversicherung, als Teil der deutschen Sozialversicherung, ist eine segensreiche und beispielhafte Einrichtung einerseits, andererseits scheint sie sich zu einem Fass ohne Boden zu entwickeln. Es ist absolut lobenswert, dass die ärztliche Versorgung in Deutschland vorbildlich ist, dass jeder Bürger in den Genuss der medizinischen Errungenschaften kommen kann, sofern dies nötig ist. Doch bei der Einführung der gesetzlichen Krankenversicherung 1883 konnte man weder die kostspieligen Behandlungsmethoden der heutigen Zeit noch die bedenkliche demografische Entwicklung voraussehen. Der wahren Kostenexplosion im Bereich der Krankenversicherung begegnet die Politik seit Jahren mit Reformen und Reförmchen die eine höhere Belastung der Versicherten und teilweise auch der Arbeitgeber zur Folge haben. Selbstbeteiligung bei Arzneimittel, kassenindividuelle Zusatzbeiträge, Praxisgebühr, Streichung von Leistungen und Zahlungen für Krankenhausaufenthalte sind einige der bislang erfolglosen Versuche, die Kosten in den Griff zu bekommen. Doch mit einer finanziellen Entlastung der Versicherten ist nicht zu rechnen.
Was wird wofür ausgegeben?
Im Jahr 2007 wurden 153,6 Milliarden Euro von der gesetzlichen Krankenversicherung ausgegeben. Dabei war der Anteil für die ärztliche Versorgung mit 15,1 Prozent noch erträglich. Die Arzneikosten und die Krankenhauskosten sind jedoch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, seit Jahren stark steigend und das bedenkliche ist, dass eine Trendwende nicht in Sicht ist.
Weitere Ursachen für die Steigerung der Kosten
Die demografische Entwicklung, die auch und in besonderem Maße die gesetzliche Sozialversicherung trifft, ist zweifelsohne eine Erklärung für die Steigerung der Kosten, die weder durch Reformen und schon gar nicht durch Reförmchen beendet werden kann. Die Deutschen werden immer älter was natürlich auch die gesundheitliche Anfälligkeit erhöht. Des Weiteren sollte bedacht werden, dass obwohl 85 % der Bevölkerung in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, auf 28,6 Millionen Pflichtversicherte 20 Millionen kostenfrei versicherte Familienmitglieder gerechnet werden müssen. Die Beitragsbemessungsgrenze, in anderen Ländern völlig unbekannt sowie die Möglichkeit des Wechsels zur privaten Krankenversicherung schmälern die Einnahmen beträchtlich. Addiert man dann noch die von der Versicherungspflicht befreiten Beamten dazu erklärt sich leicht, warum eine derartige Finanzierungslücke besteht.
Mögliche Lösungsansätze
Eine Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze sowie die Annullierung der Versicherungsfreiheit für Beamte und Selbstständige, wie bereits von vielen Ländern praktiziert, wäre wirtschaftlich sinnvoll aber politisch kaum durchsetzbar. Auch die Eingliederung der Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung mit der Möglichkeit Zusatzversicherungen abzuschließen ist oft diskutiert worden aber aus politischem Kalkül immer wieder fallen gelassen. Letztlich wird ein hochentwickelter Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, das den Anspruch erhebt sozial ausgewogen zu handeln, die Bezuschussung der gesetzlichen Krankenversicherung als alternativlos ansehen müssen. Obwohl eine tief greifende Reform dringend notwendig wäre, sind quer über die Parteigrenzen hinweg hierfür keine Ansätze erkennbar.
Ist in absehbarer Zeit mit einer Senkung der Beiträge für die Versicherten zu rechnen?
Die gesetzliche Krankenversicherung haben einen aktuellen zusätzlichen Finanzbedarf von 11 Milliarden Euro. Zwar hat die aktuelle Regierung mit der Gesundheitsreform 2010 eine Erhöhung des Beitragssatzes beschlossen, diese wurde bislang allerdings noch nicht durchgeführt. In Deutschland ist das möglich geworden was die Mehrheit der Bevölkerung für wohl ausgeschlossen gehalten hat: Eine Ersatzkasse, also ein Teil des Sozialsystems, musste wegen drohender Insolvenz den Betrieb einstellen. Dieser zugegebenermaßen isolierte Vorgang zeigt die finanzielle Dramatik in der einige Krankenkassen aber auch das gesamte System steckt. Sinkende Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sind unter Berücksichtigung der jetzigen Situation daher höchst unwahrscheinlich, eine Erhöhung der Beiträge erscheint ohne deutliche Steigerung des Bundeszuschusses als geradezu alternativlos. Erst wenn die gesetzliche Krankenversicherung eine wirkliche Reform erfährt, kann - vorsichtig - auf fallende Beiträge gehofft werden.
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