Liegerad - Liegeräder
Auch Liegeräder gehören zu denjenigen Fahrrad-Varianten, die in den letzten Jahren immer häufiger Anhänger finden. Dabei sind Liegeräder keineswegs eine neue Erfindung, denn schon vor über 100 Jahren wollte man mit ihnen die gefährlichen Hochräder ablösen.
Bei Liegerädern handelt es sich um ein Rad mit nach hinten geneigter Sitz- oder Liegehaltung auf einem Netz- oder Schalensitz. Es sind auch Sesselräder mit aufrechter Sitzhaltung erhältlich. Tretlager und Pedalen sind ganz vorne installiert, je nach Ausführung als Kurz- oder Langlieger vor oder hinter dem Vorderrad. Der Antrieb kann durch Vorder- oder Hinterrad erfolgen, mit und ohne Tretlagerüberhöhung. Auch der Lenker kann unterschiedlich angebracht sein, entweder vor dem Oberkörper oder auch neben dem Sitz, direkt oder indirekt gelenkt. Man unterscheidet also zwischen verschiedenen Liegeradtypen, wobei Lang- und Kurzlieger für das Fahren in der Stadt und zum Reisen konzipiert sind, Tieflieger für schnelles Fahren gedacht sind. Eine Kombination aus Kurz- und Tieflieger ist der Semitieflieger. Sesselräder kommen meist für kürzere Entfernungen in Betracht. Bei Velomobiles handelt es sich um vollverkleidete Räder. Je nach Ausführung liegen die mit einem Liegerad gefahrenen Geschwindigkeiten zwischen 30 und 45 km/h. Der Weltrekord liegt für Männer bei 84,2 km/h, für Frauen bei 73,4 km/h.
Die entscheidenden Vorteile eines Liegerades sind die überaus entspannte Körperhaltung und der sehr gering gehaltene Luftwiderstand, wodurch meist höhere Geschwindigkeiten erreicht werden und längere Strecken gefahren werden. Der Rücken wird entlastet und Durchblutungsstörungen an den Händen treten nicht auf. Stürze verlaufen in der Regel glimpflicher, da sie nicht über den Lenker erfolgen. Die Bremsleistung ist höher, da der Schwerpunkt niedriger liegt. Darüber hinaus sind alle Gänge nahezu verschleißfrei voll nutzbar und auch die Lebensdauer der längeren Kette ist höher. Die Pedalnutzung in Kurven ist unbegrenzt.
Ein Nachteil des Liegerades ist das technisch bedingte höhere Rahmengewicht, jedoch können neuere Varianten bereits mit einem Gewicht von 10 kg hergestellt werden. Zwar fällt man mit einem Liegerad immer noch auf, aber an Straßeneinmündungen ist man für Autofahrer wegen der liegenden, niedrigeren Haltung leichter zu übersehen. Auch das Zurückschauen ist schwieriger, doch da hilft ein Spiegel. Beim sportlichen Fahren stellt die Belüftung des Sitzes ein Problem dar und man kommt schnell ins Schwitzen.
Aufgrund der relativ niedrigen Stückzahlen bei der Fertigung von Liegerädern sind diese teurer als herkömmliche Räder. Aber auch die überaus gute Komponentenausrüstung hat ihren Preis. Einsteigermodelle sind ab etwa 700 Euro erhältlich, sportliche Liegeräder kosten um die 1.500 Euro. Für ein Sondermodell mit 3 Rädern und zuschaltbarem Elektroantrieb zahlt man etwa 4.500 Euro.
Bei der Auswahl eines Liegerades sollte man aber nicht nur den Preis als Kriterium heranziehen, sondern auch der Einsatzbereich, für den es gedacht ist. Der Handel bietet inzwischen die unterschiedlichsten Modelle an, manche sogar als Tandem oder Faltrad. Sicher ist, dass für jeden etwas dabei ist. Wer sich ernsthaft damit beschäftigen möchte, kann Informationen am besten auf einer Fachmesse erhalten, wo sich viele Modelle auch Probe fahren lassen. Aber auch Bücher und Internet geben Auskunft über viele Fragen.