Ölpreisbindung der Gaspreise – Quo vadis?
Die Ölpreisbindung bezeichnet die Koppelung des Erdgas Preises in Deutschland an den Ölpreis. Die Ölpreisbindung hat großen Einfluss auf die Gaspreise und somit unmittelbar auf die Heizungskosten vieler Deutschen.
Ölpreisbindung - Auswirkungen
Die Ölpreisbindung hat keinen gesetzlichen Hintergrund, sondern wurde in den 60iger Jahren zwischen deutschen Importeuren und ausländischen Produzenten verabredet. Im Grunde kann man von einem klassischen Kartellfall sprechen. Auf der einen Seite sollte die Ölpreisbindung den Gasproduzenten Planungssicherheit für die erheblichen Investitionen für die Förderung und Transport des Erdgases gewährleisten. Auf der anderen Seite sollte die Ölpreisbindung dafür sorgen, dass die wenigen Gasproduzenten die Erdgaspreise nicht beliebig diktieren können, sondern die Entwicklung des Erdölpreises nachempfunden wird.
In den vergangenen 40 Jahren folgte der Erdgaspreis mit einer zeitlichen Verzögerung von drei bis sechs Monaten dem Ölpreis. In den letzten Jahren wurde zunehmend Kritik an der Ölpreisbindung laut. Vor allem Verbraucherschützer, Wissenschaftler und Politiker kritisieren zunehmend, dass die Ölpreisbindung einen freien Wettbewerb am Gasmarkt verhindere.
Zudem kritisieren Verbraucherschützer, dass Ölpreiserhöhungen schneller in den Erdgaspreisen einfließen als dies bei fallenden Ölpreisen der Fall sei. Die Ölpreisbindung werde somit oftmals zum Nachteil der Verbraucher ausgelegt. Verbraucher sollten bei ungerechtfertigten Gaspreiserhöhungen die Gaspreise vergleichen und einen Wechsel des Anbieters in Erwägung ziehen.
Auf der anderen Seite schützt die Ölpreisbindung auch heute noch deutsche Importeuer gegen überzogene Förderung der wenigen Gasproduzenten. Und auch wenn die Entkoppelung des Gaspreises vom Öl kommen wird, bleibt abzuwarten ob die Erdgasproduzenten ihre Marktmacht nicht ausnutzen werden und das Erdgas am Schluss sogar teurer werden wird.
Dennoch scheint ein Ende der Ölpreisbindung in Sicht. Zum ersten Mal konnte der deutsche Importeur Eon Ruhrgas sich mit dem russischen Konzern Gazprom auf einen Gaslieferungsvertrag einigen, der nicht mehr den Ölpreis als preisliche Grundlage besitzt. Als Grundlage wurde stattdessen der derzeit deutlich niedrigere Preis an den europäischen Spotmärkten verwendet.
Hintergrund der Abkehr von der Ölpreisbindung war die divergierende Entwicklung der Gas- und Ölpreise an den Rohstoffmärkten. Aufgrund der Erschließung von neuen Gasfeldern in den USA, der geringeren Nachfrage aufgrund der Wirtschaftskrise und dem verstärkten Angebot von Flüssiggas war der Gaspreis unter Druck geraten.
Für den Verbraucher wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sich durch den Eon Ruhrgas Vertrag die Gaspreise in Deutschland ändern werden. Für Frühjahr 2010 rechnen Experten sogar mit einer moderaten Preiserhöhung. Als Grund hierfür führen einige Gasversorger wie so häufig auf die Ölpreisbindung. Es bleibt abzuwarten wie lange die Ölpreisbindung nach dem richtungsweisenden Abschluss von Eon Ruhrgas noch Bestand haben wird. Fakt ist allerdings auch, dass sich die Preise für Öl und Gas aufgrund der Austauschbarkeit der Energieträger auch in Zukunft gegenseitig beeinflussen werden.