Stabile Hautflora - Abwehrorgan Haut
Haut und Darm übernehmen zusammen den größten Teil der Immunabwehr des menschlichen Körpers. Während im Darm vor allem die über die Nahrung aufgenommenen Stoffe verarbeitet werden, findet auf der Haut der Kontakt mit fremden Bakterien, Viren, Pilzen, chemischen Substanzen und physikalischen Einflüssen statt. In beiden Fällen sorgt normalerweise eine gut entwickelte körpereigene Bakterienflora dafür, dass Fremdstoffe keinen Schaden anrichten können. Doch während Wert und Nutzen der Darmflora allgemein anerkannt und ihre Funktionsweise erforscht ist, fristet die Hautflora in der Forschung noch weitgehend ein Schattendasein.
Die Haut als Grenzflächenorgan
Als Grenzflächenorgan zwischen dem menschlichen Körper und seiner Umwelt weist die Haut eine Vielfalt von Mikroorganismen auf, die sich hier bereits kurz nach der Geburt anzusiedeln beginnen. Zusammen bilden sie die Hautflora. Der Begriff Hautflora kann mit "Pflanzenwelt der Haut" übersetzt werden und wurde in einer Zeit geprägt, in der man Bakterien noch nicht als eigenständige Lebensform erkannte, sondern zu den Pflanzen zählte.
Grundsätzlich kann zwischen drei Gruppen von Bakterien auf der Haut unterschieden werden. Es gibt die residenten Keime, sozusagen die Ureinwohner der Haut, die unter Normalbedingungen permanent und ausgewogen vertreten sind. Idealerweise garantieren sie im Zusammenspiel die Funktionen einer schützenden Bakterienflora. Die zweite Gruppe der transienten Keime bildet sich aus Anflug- und Durchgangskeimen die auf der Haut keine stabilen Bakterienkolonien ausbilden können. Schließlich gibt es die temporär residenten Keime, die unter bestimmten Umständen die Möglichkeit haben, sich an die Haut anzuheften und dort für eine begrenzte Zeit auch zu vermehren.
Das Nährstoffangebot regelt die Population
Die residenten Keime, die als kleine Kolonien auf der Hornhaut und innerhalb der äußeren Epidermisschichten leben, bilden die physiologische Hautflora und setzen sich aus verschiedenen Keimen zusammen. Auf gesunder Haut bilden diese Mikroorganismen eine stabile Gemeinschaft, die über verschiedene Mechanismen zur Abwehr fremder Keime verfügt.
Die Zusammensetzung der mikrobiellen Besiedelung der Haut wird durch Nährstoffangebot und Sauerstoffkonzentration reguliert. Auf der menschlichen Haut finden sich Nährstoffe in Form von Zuckern, Aminosäuren, Milchsäure, Harnsäure, Harnstoff, Mucoproteinen, Vitaminen, Talgfetten und abgestoßenen Hornzellen. Doch auch von außen zugeführte Stoffe wie Kosmetika und ihre enzymatischen Spaltprodukte stellen Nährstoffe dar.
Gesunde Bakterienflora und Hautpflege
Die Beziehung zwischen der hauteigenen Bakterienflora des Menschen und seiner Umwelt stellt ein komplexes und störanfälliges System dar. Falsche Pflege und übertriebene Hygiene können es nachhaltig aus dem Gleichgewicht bringen.
So enthalten viele Feuchtigkeitscremes Stoffe, die die Hautoberfläche künstlich verquellen lassen. Die Haut speichert dann scheinbar mehr Feuchtigkeit, bietet aber vor allem einen idealen Nährboden für pathogene Keime, Hefen und Pilze. Die periorale Dermatitis oder das seborhoeische Ekzem haben oft eine solche Ursache.
Auch die Anwendung von Kosmetika mit keimabtötenden Konservierungsmitteln gefährdet die hauteigene Bakterienflora und begünstigt das Entstehen von resistenten pathogenen Bakterienkolonien.
Durch eine Reinigung mit aggressiven waschaktiven Substanzen wird die Haut entfettet und ihr natürlicher pH-Wert ändert sich. Das wirkt wie ein Kahlschlag auf die Mikroflora der Haut und erhöht das Wachstum potentiell pathogener Mikroorganismen. Trockene übersensibilsierte und krankheitsanfällige Haut ist die Folge.
Bei der Hautpflege gilt es also vorrangig die natürliche Bakterienflora der Haut zu berücksichtigen, zu unterstützen und eventuell zu regenerieren. Denn gesund und damit auch schön ist die Haut dann, wenn sich ihre schützende Mikrobesiedelung in einem natürlichen Gleichgewicht befindet.
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