Fremdwährungskredite zur Baufinanzierung?

Wer zur Baufinanzierung eine sichere Variante sucht, für den eignet sich ein Fremdwährungsdarlehen nicht. Nicht nur die Zinszahlungen können stark schwanken, auch der Tilgungsbetrag kann erheblich höher ausfallen als errechnet. Ist man nicht in der Lage Mehrkosten aufzufangen, sollte man auf diese Finanzierungsmöglichkeit verzichten. Kommt ein Eurokredit wegen der höheren Zinsbelastung nicht in Frage, ist vom Fremdwährungskredit ganz abzuraten.

Dennoch erscheint ein Fremdwährungskredit als Finanzierungsmöglichkeit durchaus lukrativ zu sein, denn in einigen Staaten liegen die Zinssätze weit unter dem Niveau der Europäischen Union. Ein in Schweizer Franken oder Japanischen Yen aufgenommener Kredit verlangt wesentlich niedrigere Zinszahlungen als ein Euro-Kredit. Doch diese niedrigeren Zinskosten muss man in Verbindung mit dem Wechselkursrisiko betrachten, denn ein Fremdwährungskredit bedeutet eine Währungsspekulation.

Wer beispielsweise in der Schweiz einen Kredit von Euro 100.000 beantragt, schließt einen Vertrag über Schweizer Franken (CHF) 155.000 und erhält Euro 100.000 ausgezahlt. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass die Zinszahlungen und Tilgungsraten in CHF abgerechnet werden. Fällt der Wechselkurs des Euro gegenüber dem CHF auf 1,30 statt CHF 1,55, so hat man eine nahezu 20 Prozent höhere Tilgung nach Ablauf der Zinsbindung zurückzuzahlen als die ursprünglich aufgenommenen Euro 100.000, nämlich knapp Euro 120.000. Allerdings kann der Wechselkurs auch steigen und somit den Kredit durchaus verbilligen, bei einem Kurs von CHF 1,80 je Euro um fast 14 Prozent. Beim Fremdwährungskredit handelt es sich also um ein klassisches Termingeschäft mit den typischen Risiken. Wurde eine vierteljährliche Zins- und Tilgungszahlung vereinbart, kann deren Höhe also durchaus variieren.

Im Normalfall werden Fremdwährungskredite bereits vor Ende der Laufzeit getilgt bzw. in Euro konvertiert. Deshalb werden sie meist als so genannte Roll-Over-Kredite aufgebaut, die nach 3, 6 oder 12 Monaten entweder verlängert oder auch gekündigt werden können. Die Zinshöhe wird entsprechend jeweils neu vereinbart. Dabei dient der Libor den Banken als Basiszinssatz, auf den sie für Verbraucherkredite etwa 1,5 bis 2 Prozent aufschlagen. Vertragsbestandteil kann auch die Möglichkeit sein, den Kredit als Mehrwährungskredit zu handhaben, wobei beispielsweise der Kreditbetrag von Schweizer Franken in Yen umgerechnet wird. Dadurch wird dem Kreditnehmer die Möglichkeit eingeräumt, bei einer für ihn positiven Kursentwicklung eine vorzeitige Tilgung vorzunehmen oder in Euro zu konvertieren.
Wer also einen Fremdwährungskredit aufnimmt und mit der Wechselkursentwicklung spekuliert, ist an einem endfälligen Darlehen mit Tilgung zum Ende der Laufzeit interessiert.

Damit zu diesem Zeitpunkt tatsächlich der Tilgungsbetrag vorhanden ist, wird er in Form von Lebensversicherungen, fondsgebundenen Lebensversicherungen oder Fondsanteilen angespart und dient den Banken als Sicherheit für den Kredit.

Zusammengefasst muss man feststellen, dass ein Fremdwährungskredit also nicht nur ein Zinsrisiko, sondern auch ein Wechselkursrisiko birgt. Darüber hinaus besteht auch noch ein Tilgungsrisiko, falls die Absicherung durch Fondsanteile erfolgte und diese nicht den kalkulierten Ertrag erbracht haben.

Weiterhin sollte man sich darüber klar sein, dass die Kreditnebenkosten meist höher liegen als bei einem Eurokredit. So entstehen Kosten für Devisengebühren, Bearbeitungsgebühr, Kreditgebühr, Eintragungsgebühr, Kontoführungsgebühr des Fremdwährungsverrechnungskontos, Portokosten, Spekulationsgewinn und steuerliche Gesichtspunkte.

Um möglichst vom Fremdwährungskredit zu profitieren, muss man regelmäßig den Devisenmarkt beobachten sowie die Wechselkursentwicklung, um zum richtigen Zeitpunkt eine Konvertierung von CHF oder Yen in Euro vornehmen zu lassen. Allerdings gibt es die Möglichkeit, so genannte aktive Devisenschuldverwalter mit diesen Aufgaben zu betrauen – doch kostet dies bis zu 25 % der Zins- und Kursgewinne, an Verlusten sind sie nicht beteiligt. Diese Methode ist also nur sehr bedingt empfehlenswert, weil Devisenschuldverwalter keine Verluste zu befürchten haben und deshalb risikobereiter handeln.

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