Geschichte des Brautkleides

Historisch gesehen waren Ehen meist Geldhochzeiten, bei denen finanzstarke Familien ihre Söhne und Töchter miteinander verheirateten, um das Eigentum beisammen zu halten. Die Braut heiratete in ihrem schönsten Kleid, dem Festkleid. Dabei hatte die Farbe Weiß noch keine Bedeutung, ebenso wie der Schleier, der lediglich – genau wie gerne getragene Schirmchen – ein Modeaccessoire darstellte.

Etwa um 1850 wurde das weiße Brautkleid assoziiert mit Reinheit, Tugend und Unschuld. Nach einer gut bürgerlichen Hochzeit wurde die Frau Hausfrau und Mutter. Gegen 1875 wurde die Verbindlichkeit der Ehe durch die Einführung der standesamtlichen Trauung öffentlich bestätigt, kirchlich konnte geheiratet werden.
Doch die meisten Menschen konnten es sich nicht leisten, ein Kleid nur für den Hochzeitstag zu haben. So hatte die normale Braut ein schwarzes Brautkleid, welches auch zu anderen Anlässen getragen werden konnte. Der besondere Anlass wurde durch einen weißen Schleier zum Ausdruck gebracht. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war dies üblich.

Etwa 1920 herum begann die Emanzipation der Frau, was sich auch in den Kleidern ausdrückte. Zu dieser Zeit, kurz nach dem ersten Weltkrieg, wurden Brautkleider nach einfachen Schnitten selbst genäht. Bereits in den 30er Jahren wurde mehr Wert auf weibliche Formen gelegt und die Braut trug sehr lange Schleier. Nach der Heirat wurde das weiße Brautkleid meist eingefärbt und durch Modeaccessoire ergänzt und diente dann als Ballkleid. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde versucht, eine spezielle Mode einzuführen, was jedoch nur bedingt angenommen wurde. Statt eines Schleiers trug die Braut Silberschmuck.

Mit den 50er Jahren wurde die Brautmode wieder traditionell. Die Braut trug ein hoch geschlossenes Kleid mit langen Ärmeln. Modemutige wählten allerdings auch schon Petticoat, schulterfreie Kleider oder Dekolleté, was jedoch in der Kirche durch ein Jäckchen bedeckt wurde. Es wurden aber durchaus auch dunkle Kleider und Schleier getragen sowie als Accessoire ein Myrrhezweig, der die Reinheit symbolisierte.

In den 60er Jahren wurden lange Brautkleider mit langem Schleier und viel eingearbeiteter Spitze bevorzugt. Während der 70er Jahre war es durchaus normal, dass die Braut ein schwarzes Kleid trug, während der Bräutigam einen hellen Anzug wählte. Statt des Schleiers entschied sich die Braut für eine Kapuze. Dies änderte sich bereits in den 80er Jahren wieder und die Braut trug wieder gerne Weiß.

Heutzutage ist jeder Stil erlaubt und der persönliche Geschmack entscheidet über die Wahl des Brautkleides und des Anzuges. Manche bevorzugen traditionelle Brautkleider, andere wählen gerne modische Kreationen.

Wirklich wichtig und entscheidend sollte jedoch sein, dass die Braut sich an diesem besonderen Tag in ihrem Brautkleid wohl fühlt. Es sollte zum Typ passen – dann wird sie die bewundernden Blicke des Bräutigams und der Gäste genießen.

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